Nachricht in den Himmel

Heute (11.07.2014) ist es schon drei Jahre her, dass du von uns gegangen bist, dass du mich hier alleine gelassen hast. Ich möchte dir hier nochmal unsere Geschichte erzählen, auch wenn du sie selber wohl mit mir zusammen am besten kennst. Jedenfalls. Mama war schwanger mit mir und war immer bei deinem Frauchen, meiner Oma zu Besuch. Du warst noch ein ganz kleiner Hundewelpe, grade erst fünf Wochen alt, musstest von deiner Mama weg, wärest fast im Tierheim gelandet. Aber da hat das Schicksal ausnahmsweise mal eine gute Tat vollbracht. Naja auf jeden Fall fandest du Mamas Babybauch immer total interessant und hast dich liebend gerne draufgelegt. Du hast immer versucht in Mamas Bauch reinzugucken... Ich war ja nur indirekt dabei, aber ich glaube, das war soooo süß <3 Als ich dann zwei Monate nach dir geboren bin, fandest du mich immernoch sehr interessant. Aber ich hatte Angst vor dir. Wirklich echt üble Angst. Aber immerhin warst du im Gegensatz zu mir auch schon mit einem Jahr ausgewachsen. Und du sahst aus wie ein Wolf. Ein großer, schwarzer Wolf. Aufgrund Mamas Arbeit war ich im Alter zwischen 3 und 10 so gut wie jeden Tag bei Oma und dir, sofern Kindergarten/Schule vorbei war. Als ich drei Jahre alt war, wollte ich immernoch nichts mit dir zu tun haben. Immer, wenn ich bei Oma war, saß ich im ersten Stock und hab gespielt, während du unten in der Küche bleiben musstest, obwohl du immer gerne mit mir spielen wolltest. Sorry auch nochmal dafür. Irgendwann, als ich vier Jahre alt war und gerade alleine in der oberen Etage von dem Haus meiner Oma spielte, bist du unten in der Küche auf die Türklinke der Tür gesprungen, sodass diese sich öffnete. Du warst eben schon immer der schlauste 'Hund' überhaupt. Du gingst die Treppe hoch und als meine Oma wieder nach oben kam, sah sie wie wir beide auf dem Boden gekuschelt haben. Ganz plötzlich, wie auf Knopfdruck, hatte ich meine ganze Angst vor dir verloren. Seit diesem Tag spielten wir immer zusammen. Jeden Tag. Als ich in die Schule kam, hatte ich es nicht so leicht in meiner Klasse. Ich kannte da niemanden und ich fand auch keinen Anschluss. Ich war immer alleine. Aber dafür bin ich dann jeden Nachmittag zu dir gekommen, mit dir konnte ich sowieso viel besser spielen. Und unterhalten konnten wir uns auch. Ich sagte dir mit Worten was und fühlte deine Antwort förmlich. Als ich kleiner war, ist das niemandem komisch aufgefallen, dass ich mit dir redete, aber als ich größer war... Alle hielten mich für bescheuert, aber keiner begriff, dass ich dich verstand. Auf jeden Fall erzählte ich dir von den Problemen, dass ich keine Freunde hätte und dass ich mich doch irgendwie alleine fühlte, aber du gabst mir neue Kraft und schließlich fand ich auch ein paar Freunde und eine beste Freundin. Dann kam die nächste Herausforderung auf mich zu. Meine, beziehungsweise unsere Familie brach komplett zusammen. Ich wollte meine Halbschwester väterlicherseits kennenlernen, durfte es von meiner Mutter aus nicht, wodurch ein riesen Krieg zwischen Mama und Papa entstand, Mama mochte Papas Verwandten nicht, Papa mochte Mamas Verwandte nicht und ich stand zwischen den Stühlen. Also bin ich noch häufiger zu dir gegangen, damit ich mit dir reden konnte. Mich machte das alles so fertig. Aber zusammen standen wir alles durch. Das war schon immer so. So lang ich denken konnte, verbrachten wir jeden Tag miteinander. Du warst der wichtigste Bestandteil meines Lebens und unsere Kommunikation wurde immer besser. Wenn ich mal nicht bei dir war, wusste ich trotzdem was du machst, wo du warst, wie es dir geht. Wir wurden auch immer gleichzeitig krank. Im Endeffekt waren wir beide eins. Eines Tages, Ende Juni 2011, ging es mir auf einmal ganz komisch. Ich bin sofort zu dir losgegangen. Du hustetest stark und deine Blicke waren anders als sonst. Und auch das was du mir 'sagtest' war ganz anders als sonst. Ich machte einen riesen Aufstand, bis dein Frauchen dann letztendlich einen Tierarzt rief. Obwohl du nur Husten hattest. Meine Mutter kam auch zu deinem Frauchen nach Hause, einfach weil ich total aufgelöst war. Alle versuchten mich zu beruhigen und irgendwann sagte die Tierärztin, dass du eine Bronchitis hättest und dann bekamst du ein Antibiotikum. Alle sagten, dass ich mich beruhigen könnte und wieder runterkommen sollte. Ging aber nicht. Nach außen hin war ich ruhiger, aber innen ging gar nichts mehr. Ich war Tag und Nacht panisch, bekam bei jedem Signal von dir, dass es dir nicht gut ging fast einen Herzinfarkt. Ich hatte Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und konnte einfach nicht mehr richtig leben. Ich war jeden Tag so lang wie es ging bei dir, aber deine 'Bronchitis' wurde nicht besser. Ich sagte immer wieder allen, dass das keine Bronchitis ist, aber keiner glaubte mir. Alle sagten, dass das Antibiotikum nur eine Zeit brauchen würde, um anzuschlagen. Und irgendwann kam der Tag. Der 11.07.2011. Ich wachte auf, mir war speiübel. Mir ging es nie so beschissen. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, wusste, dass ich nicht krank war, höchstens vor Sorge. Das Gefühl hat mich fast getötet. Ich beschloss weit weg zu gehen. Ich lief und lief und lief. Bis ich irgendwann in einem anderen Dorf angekommen war. Meine Eltern waren beide bei der Arbeit, ich war alleine. Und dann saß ich da in dem Dorf auf einer Bank. Auf ein Mal: Leere. Alles in mir war leer. Mich ergriff Panik, ich bekam Schweißausbrüche, unsere Verbindung war weg. Die Verbindung unserer Herzen, die wir unser ganzes Leben lang ohne Unterbrechung hatten. Ich zitterte, rannte mit aller letzter Kraft nach Hause. Tief in mir drin wusste ich, was passiert war. Ich sah meine Mutter an unserer Haustür. Ich lief zu ihr und schrie ihr entgegen: "Ich geh zu (Name). Ich bin heute Abend wieder da!" Sie guckte mich an und sagte, ich sollte mit rein kommen. Ich wollte nicht, weil ich wusste, was kommen würde. Trotzdem ging ich mit. "(Name) hat dich heute Morgen die ganze Zeit gesucht. Wir hatten uns schon gewundert warum er das macht... Aber er wollte dir Tschüß sagen. Denn jetzt ist er..." "...tot." beendete ich ihren Satz und ging hoch in mein Zimmer. Ich lehnte an meinem Schrank, Starrte Löcher in die Luft. Ich weinte nicht. Ich war leer, ich war selber fast tot. Zwei Stunden lehnte ich so an meinem Schrank. Dann sackte ich zusammen und fiel schreiend zu Boden. Ich schrie, weinte, zitterte... Wenn jemand zu mir kam, egal wer es war, ich schlug um mich. Ich verschanzte mich in meinem Zimmer. Vier Tage lang. Vier Tage, an denen ich mir Vorwürfe machte, weil du mich gesucht hattest. Du warst immer für mich da, hast nie was zurück verlangt. Aber wenn du mich ein Mal in deinem Leben brauchtest, war ich nicht da. Ich hasste mich so sehr dafür. Und warum hatte ich mich nicht mehr durchgesetzt? Ich wusste die ganze Zeit, dass es keine verdammte Bronchitis ist! Du hattest einen Tumor im Hals. Ich hatte jede Nacht Alpträume und ich hab die vier Tage nichts gegessen. Meine Mutter zwang mich was zu essen, aber ich blieb minimalistisch. Bis sie mit mir wegen 'Appetitmangel' zum Arzt ging. Der verschrieb mir dann so einen komischen Saft. Eine Woche später, völlig abgemagert, ging ich alleine, ohne dass meine Mutter was davon wusste zum Arzt. Ich erzählte ihm, dass das kein Appetitmangel war, sondern dass ich am Boden zerstört bin, dass ich jeden Tag das Gefühl hab, mein Herz zerreist. Er sah mir tief in die Augen. Wir redeten und irgendwann meinte er, dass ich wohl leichte Depressionen hätte. Aber er meinte, dass er keine Medikamente verschreiben will oder einen Psychologen einschalten will. Er sagte, dass ich kurz warten soll, schrieb eine Adresse auf einen Zettel, schob mir diesen hin und ging. Fünf Minuten später kam er wieder, einen Arm hinter dem Rücken. "Hier dein Langzeitmedikament. Mach was draus." er nahm den Arm hinter dem Rücken hervor und hielt eine Gitarre in der Hand. Ich nahm diese und ging. Erstmal stand diese nur rum. Ich hatte keine Lust. Ich aß zwar wieder normal, aber mir ging es immernoch so beschissen. Ich ritzte mich und war einfach am Boden. Irgendwann dachte ich mir: "Was solls... Vielleicht hat er recht und es hilft wirklich." Ich ging zu der Adresse, die auf dem Zettel stand, mit meiner Gitarre in der Hand. Ich klingelte an dem Haus, das eine Musikschule oder sowas ähnliches zu sein schien. Ein älterer Mann machte mir auf. "Hallo. Können Sie mir Gitarre spielen beibringen?" war der Satz, mit dem alles begann. Mittlerweile ist diese Musikschule mein zweites zu Hause, so wie du es damals warst, mein Großer. Ich habe dort meinen besten Freund kennengelernt und bezeichne diese Leute in dieser kleinen Schule als meine wahre Familie. Jeden Montag bin ich da und wenn es mir mal nicht gut geht bin ich auch rund um die Uhr herzlich willkommen. Diese Schule und die Menschen dort und vor allem mein Arzt haben mich vor meinem sicheren Tod bewahrt, denn wenn die alle nicht gewesen wären, hätte ich dem inneren Schmerz nicht mehr standgehalten. Nicht mehr lange. Nun bist du schon drei Jahre weg... und ich? Ich hab immernoch depressive Phasen, gut geht es mir noch lange nicht. Ich meine du warst alles für mich, und immer wenn ich an dich denke, deinen Namen höre oder einen Hund sehe, der dir ähnlich ist, breche ich bis heute noch sofort in Tränen aus. Aber es geht mir besser. Nur diese Schuldgefühle. Tag und Nacht quälen sie mich. Aber mein Schulsozialarbeiter und ich reden immer wieder drüber... Vielleicht wird es irgendwann besser. Vielleicht auch nicht. Vielleicht sehen wir uns ganz bad wieder. Vielleicht dauert das auch noch. Ich weiß es nicht. Du hast eine Hälfte meines Herzens mitgenommen, ohne dich bin ich unvollständig. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an dich denke. Es gibt keinen Tag, an dem ich dich nicht vermisse. Es tut so weh. Du warst alles für dich und nun muss ich das hier alles alleine hinkriegen hm? Meine Eltern haben sich getrennt, ich hab etliche Freunde verloren... Wichtige Personen... Damals hättest du mir damit geholfen, heute muss ich da alleine durch. Aber ich schaff das. Auch wenn ich nicht weiß, ob du sauer auf mich bist oder nicht... Das werde ich wohl erst erfahren, wenn ich wieder bei dir bin. Und ganz ehrlich? Ich freu mich tief in mir drinnen darauf, dich wiederzusehen. Ich glaub fest daran. Ich hab Sachen, die mich an dich erinnern... Ich hab zwei Fellsträhnen von dir... eine schwarze, eine weiße. Ich hab alle deine Hundemarken und einen Ball von dir. Und ich trage Tag und Nacht, rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag eine Kette, mit einem Stein dran, der die Farbe hat, die dein Fell im Schein der Sonne angenommen hat. Die Kette ist so eng, dass ich sie bei jeden Atemzug spüre. Ich will bei jedem Atemzug an dich denken. Aber das alles hilft mir nur ein ganz klein wenig. Du hast die andere Hälfte von mir mitgenommen. Mein halbes Herz, meine halbe Seele. Mein Sozialarbeiter sagt, dass ich mich glücklich schätzen soll, so eine Geschichte wie mit dir gelebt haben zu dürfen. Er sagt, dass es diese Verbindungen gibt, dass so eine Verbindung allerdings nur eine Hand voll Menschen mit einem Tier erleben dürfen. Du bist und bleibst für immer ein Teil von mir! Nie werde ich dich vergessen! Ich liebe dich Großer, du bist gestorben, wie du gelebt hast. Als mein Held. Irgendwann kommt der tag, an dem wir wieder eins werden. Bis dann.

21.7.14 15:01, kommentieren

10.07.2014

Na wie sehr ich mich doch auf Schule gefreut habe. Nicht. Aber naja besser als den ganzen Tag sinnlos rumliegen und gar nichts machen. Das macht einen auch nicht glücklich, auch wenn man das vielleicht denkt. Ich stand auf, aß Frühstück und ging duschen. Dann hab ich mich mit meiner allerbesten Freundin auf den Weg zur Schule gemacht. Aber so wirklich sinnvoll war der Schultag dann doch nicht. In der ersten Stunde hatten wir WiPo, da haben wir erstmal eine viertel Stunde drüber diskutiert, ob wir einen Film gucken. Als wir unsere Lehrerin dann endlich davon überzeugt hatten, mussten wir feststellen, dass ihr Laptop die DVD nicht abspielen wollte und bis wir dann alles irgendwie hinbekommen haben, war die Stunde schon wieder rum. Nach WiPo hatten wir Mathe, da war die gleiche Story noch ein Mal, nur dass wir nicht lange diskutiert haben, die erste viertel Stunde ging wieder drauf, dadurch, dass die DVD auch bei unserem Mathe Lehrer nicht ging. Dann sind wir aber in unseren Medienraum gegangen und da hat alles geklappt. Wir haben "Fack ju Goethe" geguckt. Danach hatten wir Musik. Unsere Musik Lehrerin ist glaube ich die älteste Lehrerin, die wir im Unterricht haben, aber sie ich technisch am besten ausgestattet. Bei ihr lief die DVD und wir konnten den Film bei ihr weitergucken. Es graute mir schon vor der nächsten Stunde. Informatik. Wir hörten noch ein Referat, das wenn es hoch kommt zwei Minuten gedauert hat und dann sollten wir wieder was 'sinnvolles' machen. Aber grade das war ja so sinnlos. Da die letzten drei Stunden ausfielen, bin ich schon nach der vierten Stunde mit meiner allerbesten Freundin nach Hause gefahren. Meine Mutter war nicht mehr da, sie war bis 21 Uhr bei der Arbeit. Bei ihrer neuen Arbeit. Sie hatte heute ihren ersten Arbeitstag. Jedenfalls hab ich es dann tatsächlich geschafft, eine Dose Ravioli für uns warm zu machen. Ich bin stolz auf mich, schlicht und ergreifend stolz auf mich. Ja viel gibt es dann von heute ehrlich gesagt nicht zu erzählen, denn außer dass wir mit meinem Hund spazieren waren, haben wir nicht weiter groß was gemacht außer rumgeliegen und geredet. Abends, als meine allerbeste Freundin dann weg war, lag ich überglücklich auf meinem Bett und schrieb mit meiner großen Liebe von damals. Ich war einfach so happy, er ist so lieb geworden, er hat sich so verändert. Zum Positiven! Ich konnte wirklich richtig glücklich sein, denn meinen Sozialarbeiter hab ich schon länger nicht mehr gesehen, ich hab ihm heute lediglich ein Mal den Brief unter der Tür seines Büros durchgeschoben. Und nein ich bin keine Bitch, ich hab mich nicht nach ein paar Tagen 'endliebt', aber das ist ja nunmal 'nur' das Syndrom und keine wirkliche Liebe. Ich lag auf meinem Bett, grinste und schrieb mit meiner großen Liebe von damals, ich war, glaube ich, in einer ganz anderen Welt. Und plötzlich... Eine Nachricht von dem Jungen, mit dem ich das Geschenk für den Geburtstag meines besten Freundes gemacht habe. Das konnte nun wirklich nicht wahr sein. Ich hatte ihm vor einer Woche geschrieben und er hatte einfach nicht geantwortet und jetzt, wo ich wegen einem anderen Jungen echt mal so richtig glücklich bin, muss er kommen. "Hey :-). Bin in den Ferien Trainer in (Ortsname (50 km entfernt)). Kannst ja mal vorbei kommen... muss immer bis 18 Uhr arbeiten, danach habe ich Zeit :-)" Ich war total fassungslos. Nochmal Botschaft ans Schicksal: So langsam ist es nicht mehr lustig. Lass mich in Ruhe.! Ich schrieb meinem kleinen Zwilling, was passiert war. Und dann sagte sie was wirklich sehr, sehr süßes und schönes, was mich dazu gebracht hatte, dem Jungen nicht mehr zu schreiben. Hätte ich nicht besser sagen können. "Lass dich nicht vom Schicksal runterziehen. Bestimme du dein Glück!" Mache ich, meine Kleine. In diesem Sinne, bis morgen, Leute!

13.7.14 23:34, kommentieren

09.07.2014

Heute sollte wieder ein normaler Tag werden. Ich war nicht mehr krankgeschrieben, hatte heute aber trotzdem keine Schule. Aber auch nicht frei. Wir machten einen Ausflug in einen Kletterpark, denn nach den Ferien wird der Jahrgang gemischt und das war eben förmlich unser Abschlussausflug. Nur ich konnte nicht mitklettern wegen meinem Bein. Ich ging morgens meiner allerbesten Freundin entgegen, damit wir zusammen zum Bahnhof gehen konnten. Dort war unsere ganze Klasse versammelt und dann sind wir losgefahren. 15 Minuten hat die Fahrt mit dem Zug gedauert, danach mussten wir noch zu dem Park hinlaufen, der Weg dorthin war sehr sehr lang. Das war total unpraktisch für mich, weil ich noch humpel. Aber naja. Als wir alle angekommen waren, machten meine Klassenkameraden eine Einweisung mit, wie sie ihre Ausrüstung bedienen müssten und ich machte Fotos. Ich mag eigentlich echt gerne klettern, aber irgendwie war ich auch froh, dass ich nicht mitmachen durfte, denn dieser Park war ein bisschen extremer, als andere. Die höchsten Stationen waren 25 Meter hoch. Es gab unglaublich lange Seilbahnen, bei denen man ein Tempo aufnahm, das mir persönlich schon vom Zugucken wirklich Angst machte. Ich machte lieber Fotos von denen, die sich das trauten. Ab und an wechselte ich meine Position. In dem Park war auch noch eine andere Klasse, dessen Lehrerin ich dann traf. Ich kannte diese nicht. Ich guckte hoch, ob Klassenkameraden gerade über mir waren, aber ich sah nur einen Jungen aus der fremden Klasse. Eine zweite Lehrerin dieser Klasse war genau hinter ihm. Er war sehr unsicher und meinte dass die Station, an der er gerade war sehr schwer sei. Die Lehrerin, die neben mir stand sagte auf ein Mal: "Er ist blind." Ich guckte sie ungläubig an. Er war zwar unsicher, aber er wusste genau was er macht und wo er hintritt,eben so als könnte er sehen, mir wäre das gar nicht aufgefallen, dass etwas mit ihm nicht stimmt! Ich wäre da genauso rübergelaufen. Das war so beeindruckend... Er hat ein extrem großes Handycap und ließ sich trotzdem nicht beirren, versuchte so zu leben, wie es jeder andere 'normale' Mensch auch tat. Heftig. Ich glaube diese Kraft hätte ich nicht. Aber ich bin, denke ich, kein großer Maßstab. Trotzdem. Unglaublich dieser Junge. 2,5 Stunden waren meine Klassenkameraden und mein Bio Lehrer in den Bäumen, dann fuhren wir wieder nach Hause. Am Abend würden wir noch bei einer Klassenkameradin grillen. Zu Hause hab ich mich ein Wenig mit meiner Mutter unterhalten, aber als sie dann wegging hab ich mich gelangweilt. Ich ging eine kleine Runde mit meinem Hund, brachte sie anschließend zu meiner Oma. Dann kaufte ich noch ein paar Chips fürs Grillen nachher. Die ganze Zeit über schrieb ich mit meiner großen Liebe von damals. Heute Morgen habe ich ihm alles geschrieben, alles. Das mit meinen depressiven Phasen und sogar das mit meinem Sozialarbeiter. Ich dachte wirklich, dass ich ihn dann wieder verlieren werde, aber was soll ich sagen? Er hat es akzeptiert. Das hat bis jetzt noch kein Kerl gemacht, wirklich keiner. Deswegen schrieb ich ihm: "Ich glaub, du bist der Junge, der mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern könnte. <3" Er: "Ich wüsste auch schon wie <3" Oh nein... Ich war fest davon überzeugt, dass jetzt irgendwas perverses kommen würde, dass er sich doch nicht geändert hat. Trotzdem schrieb ich: "Wie denn?" Er: "Wenn wir uns sehen, indem ich dir tief in die Augen schaue, dich in den Arm nehme und dir ins Ohr flüster, dass ich immer für dich da bin. <3" Ich war völlig fertig. Sowas Süßes... Und das obwohl ich ihm meine Probleme gesagt habe, das kann doch gar nicht wahr sein! Ich stand überglücklich im Supermarkt an der Kasse. Als ich dort raus war, ging ich zu meiner allerbesten Freundin. Wir sind noch Eis essen gegangen und dann sind wir los zu unserer Klassenkameradin. Der Abend war total toll, da zeigte sich das erste Mal in drei Jahren, dass wir Klassengemeinschaft haben können. Wir saßen zusammen, haben alle miteinander geredet. Sowas gab es einfach noch nicht. Aber wir sind denke ich, alle mehr oder weniger erwachsen geworden. Um 20:00 Uhr mussten wir allerdings alle schon wieder nach Hause, weil morgen ja Schule ist. Es war ein wirklich toller Abend und im Endeffekt ist es schade, dass wir als Klasse auseinander gehen. Morgen wird dann das vorletzte Mal in der Zusammenstellung Unterricht sein. Und jetzt geh ich schlafen. Bis morgen, Leute.

13.7.14 19:38, kommentieren

08.07.2014

Heute sollte ich meinen zweiten Gammel- Tag antreten. Als ich aufwachte, guckte ich wie jeden Morgen zu aller erst auf mein Handy. Ich las im Unterbewusstein eine Nachricht. "Guten Morgen mein Schatz!<3" Und legte das Handy wieder weg. Dann bin ich duschen und frühstücken gegangen. Ich beschloss meinem Sozialarbeiter, wegen dem Brief für ihn, zu schreiben: "Guten Morgen. Ich hab etwas, was ich dir geben will. Einen Brief wieder. Kann aber momentan wegen einem kleinen Unfall kaum laufen und bin deshalb nicht in der Schule. Wenn ich das mit dem Laufen schaffe, könnte ich ihn dir vielleicht Donnerstag geben. Bist du dann da? Ich würd gern beim nächsten Treffen drüber reden..." Eine Antwort kam schnell. "Bin heute auch nicht in der Schule und Donnerstag wohl erst später. Wir telefonieren Donnerstag nochmal, eventuell kann ich ihn abholen. LG (Name). P.S.: Und was hast du dir angetan?" Wie bitte? Angetan? Wieso soll ich mir gleich was angetan haben, nur weil ich mal nicht laufen kann? "Okay, können wir so machen. Ich habe mir nichts angetan, ich bin in der Badewanne ausgerutscht. Der Arzt sagt, es ist eine Zerrung." "Gute Besserung!" "Danke." Ich lag auf dem Sofa. Fing an mich zu langweilen. Ging auf WhatsApp und las die Nachricht von vorhin nochmal, die ich überhaupt nicht mehr auf dem Zettel hatte. "Guten Morgen mein Schatz!<3" Öhm. Stop mal. Die war von meiner großen Liebe von damals. Jetzt nennen wir uns also schon Schatz? Damals hätte ich mich glaube ich totgefreut, aber jetzt... Ich weiß es nicht. Er ist ein toller Kerl, keine Frage und ich glaube, dass er sich wirklich geändert hat. Es wäre alles perfekt. Wäre mein Sozialarbeiter nicht da. Ich starrte die Decke an. Oh man... Aber ich glaub es liegt auch ein bisschen daran, dass ich ihn nunmal noch nicht gesehen habe... Das könnte es ja eigentlich auch sein... Ich meine... Es ist ziemlich unrealistisch, dass ein paar Buchstaben diese riesen Liebe zu meinem Sozialarbeiter einfach so ausschalten können. Ich beschloss es erstmal abzuwarten. Meine Mutter lief die ganze Zeit in der Wohnung auf und ab. Sie würde gleich ihr Vorstellungsgespräch haben... Ich wünschte ihr auf jeden Fall viel Glück, aber so wie sie davor war, würde sie es nicht mal lebend überhaupt zu ihrer eventuell neuen Arbeitsstelle schaffen. Sie machte mich völlig wahnsinnig. Als sie dann wegging, versuchte ich Fernsehen zu gucken. Aber es war kaum möglich, ich war total aufgeregt. Als sie eine Stunde nach ihrem Termin wieder zurückkam, versuchte ich so schnell wie es denn ging, ihr entgegen zu kommen und sie zu fragen wie es lief. Sie hatte die Stelle, aber wirklich glücklich sah sie nicht aus. Ich fragte, was denn los sei. Sie erzählte: "Ich muss sobald die entgültig genug Personal gefunden haben, in drei verschiedenen Schichten arbeiten. Eine Schicht wäre von 06:00 Uhr bis 14:00 Uhr, die andere von 14:00 Uhr bis 22:00 Uhr oder von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr. Und das Ding ist, dass ich gleichzeitig noch bei meinem anderen Arbeitgeber arbeiten. Aber die Arbeitszeiten passen sich an." Ich tat so als würde ich mich freuen. Aber in Wirklichkeit konnte ich das nicht wirklich... Wenn sie die Frühschicht hat, dann muss ich alleine aufstehen und alleine frühstücken... Wenn sie die spätere Schicht hat, muss ich mir selber Mittag machen. Und wenn sie Nachtschicht hat, dann muss ich die ganze Nacht für den Hund da sein. Ich weiß, dass mein Hund Veränderungen überhaupt nicht abkann. Und wenn ich dann nachts nicht schlafen kann, weil sie nicht schlafen kann und dann mit in mein Bett kommt... Darauf habe ich eigentlich keine Lust. Aber ich sah, dass meine Mutter sich eigentlich schon freute und dann tat ich einfach so, als würde mir das alles gar nichts ausmachen. Den restlichen Tag passierte nicht mehr viel, meine Mutter musste arbeiten. Ich guckte den lieben langen Tag Fernsehen, was mich total unzufrieden machte. Abends saß ich an meinem Schreibtisch. Ich guckte Bilder auf meinem Handy an, die mir auf WhatsApp geschickt worden sind und löschte auch welche. Ganz unten waren Bilder von Jungs von vor längerer Zeit, mit denen ich mal geschrieben hatte... Alle mochte ich wirklich sehr und alle waren weg, als ich ihnen erzählt mit was für Problemen ich zu tun hatte. Ich löschte auch diese Bilder... Als ich fertig war legte ich mein Handy wieder weg und machte mich bettfertig. Jetzt werde ich schlafen gehen. Gute Nacht Leute.

13.7.14 17:52, kommentieren

07.07.2014

Kein normaler Morgen, wie ich mir es erhofft hatte. Heute war es mal ganz anders. Ich wollte aufstehen, hatte vor loszulaufen, schrie auf. Mein Bein. Das Wegrutschen von gestern... Ich legte meine Hand an mein Bein. Es war glühend heiß. Ich schleppte mich irgendwie zum Frühstückstisch und setzte mich. Das war noch schlimmer. Und beim Laufen hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, als würde meine Hüfte vom Bei abrutschen, bei jedem Schritt hats innerlich geknackt. Anstatt zur Schule bin ich dann mi meiner Mutter zum Arzt gegangen. Da hielten wir uns dann bis 12 Uhr auf, bis wir mit dem Ergebnis nach Hause gegangen sind, dass es eine Zerrung ist. Ich darf heute und morgen nicht zur Schule, soll so wenig sitzen wie möglich. Na das werden ja zwei spannende Tage. Zu Hause hab ich mich dann hingelegt und nichts gemacht. Gemeldet auf meine Babysitter Anzeige hat sich auch keiner... Aber ich hörte meine Mutter telefonieren. Sie kam nach Beendigung des Telefonats in mein Zimmer. Sie wird morgen ein Vorstellungsgespräch haben. Ich freute mich für sie. Auf jeden Fall werde ich ihr die Daumen drücken. Joa und sonst hab ich heute gar nichts gemacht. Was auch... Ach doch ich hab den Brief an meinen Schulsozialarbeiter geschrieben: "Lieber (Name), ich kann verstehen wenn du dir langsam blöd vorkommst, jetzt wo du den dritten Brief von mir bekommst. Es tut mir leid, aber wenn ich mir was konkretes vornehmen, was ich dir sagen will, und ich würde versuchen diese Worte auszusprechen, dann würde das nicht gut gehen. Ich würde nur rumstottern und die Hälfte vergessen. Nicht weil ich in dich verliebt bin, nein. Sondern weil ich weiß, dass es dieses Wort, diese Geste, diesen Blick gibt, der alles kaputt machen kann. Ich weiß nur nicht wie das Wort lautet, die Geste aussieht oder der Blick aufzusetzen ist. Und das ist meine Angst, wenn ich mit dir rede. Wenn ich jetzt hier sitze und ganz in Ruhe schreibe fühle ich mich sicher. Sicher ja, aber schwer fällt es mir trotzdem. Und das bin ich vom Schreiben gar nicht gewohnt. Wenn ich abends meinen Blog schreibe, schreib ich immer einfach drauf los und werde dafür auch noch gelobt. Aber jetzt grade fällt es mir schwer und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum dieser Text, also der Brief, nicht gut ist. Weil ich drüber nachdenke. Aber ist ja auch egal. Jedenfalls möchte ich jetzt auf den Punkt kommen und dir meine Sorge, die mit einer Bitte verbunden ist, mitteilen. Ich mache mir Sorgen, dass du denkst, dass unsere Gespräche so zielführend sind, wie zwei Tage Kreisverkehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass dir das hier alles sinnlos vorkommt. Was ich mir auch gut vorstellen kann: dass es Leute gibt, denen es schlechter geht als mir. Und nun die Bitte: mir tun die Gespräche mit dir zwar wirklich richtig gut, aber wenn du Zeit für jemand anderes brauchst dann sag es mir. Oder wenn dir unsere Gespräche zu unnötig sind, ich weiß es ja nicht. Das einzige was ich weiß ist: Mir tut es gut mit dir zu reden. Aber ich hab auch immer so Angst was falsch zu machen... Ich würde manchmal gerne einfach an dich ranrücken und mich in den Arm nehmen lassen, aber ich mache es nicht. Aus Angst aufdringlich zu sein und dass dir das unangenehm ist.. Oder dass es die falsche 'Geste' ist. Ich guck manchmal runter, wenn du mit mir redest. Aus Angst den falschen Blick aufzusetzen. Das wollte ich dir nur mal gesagt haben. Achja... was noch dazu kommt... (ich wills dir nur mal sagen) manchmal bin ich traurig, weil ich weiß, dass ich quasi 'dein Job bin' und eben niemand, den du persönlich so magst.Ich hoffe ich habe hiermit nicht das falsche Wort ausgesprochen und ich hoffe ich werde nie die falsche Geste machen oder den falschen Blick aufsetzen. P.S.: Ich werde dich die vier Wochen, die ich dich nicht sehen werde, doll vermissen. Einfach weil du für mich nicht 'mein Job bist' oder sowas in der At. Du weißt was ich meine. Du bist für mich ein guter Freund, eine Vertrauensperson." Ich hab so eine Angst den abzugeben. Geht gar nicht... Ich suchte Ablenkung und schrieb mit meiner 'großen Liebe' von damals (es ist nicht der Junge von Februar, nur damits nicht zu Missverständnissen kommt). Auf einmal wurde aus dem normalen Gespräch der reinste Flirt... Es hätte so schön sein können. Hätte ich nicht durchgehend an meinen Sozialarbeiter denken müssen. Außerdem... Das geht alles so nicht. Damals war er das totale Arschloch, hatte 1000 Mädchen gleichzeitig. Er meinte er hätte sich geändert. Ich guckte seine Pinnwand an, auf der damals mindestens 3 Mädchen zur gleichen Zeit ein Herz gepostet hatten. Ich suchte Bestätigung, dass er sich nicht geändert hat. Das Blöde: ich fand sie nicht. Ja scheiße. Sein ständiges "Wieso haben wir so lang nichts miteinander zu tun gehabt?" und "Darf ich dich mal besuchen kommen?" (8 Stunden Fahrt.) "Baby, ich meins ernst." , hats alles nicht wirklich besser gemacht. Denn er meinte es ernst. Hab ich gemerkt, als es schon wieder viel zu spät war. Ouh man... Hell no! Was mach ich jetzt? Nacht Leute...

8.7.14 21:19, kommentieren


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